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Funktionsbauten: Brunnen

Brunnen

 

Der Brunnen ist eine eingefasste Anlage, bei der man aus einem Loch, das tief in die Erde gebohrt ist, Grundwasser entnehmen kann.

Unser Wort Brunnen,mhd. Brunne, ahd. Brunno, mnd. Born ist eng verbunden mit der Wortgruppe von „brennen“ und entsammt mit der der indogermanischen Wurzel *bher oder *bhrew „aufwallen,sieden, gären“.1

Die erste und einfachste Art der Versorgung war das Wasser aus einem offenen Gewässer zu schöpften . Frühzeitig mussten die Menschen Kunstgriffe anwenden, um auch an Orten, wo diese natürlichen Vorkommen nicht vorhanden waren, an das Wasser zu kommen. Oftmals hat man in den Sommerzeiten in trockene Fußtäler kleine Gruben geschürft, in denen sich dann geringe Wassermengen gesammelt haben.

Die nächsten Stufen der Entwicklung bestand darin, derartige Wasserlöcher zu vertiefen, sie zu befestigen und später auszubauen. Somit kam es schon in vorgeschichtlicher Zeit zu Brunnenbauten.

Ein Beispiel dafür, dass die Römer die Techniken der Wasserversorgung weiterentwickelten ist die frühe Wasserversorgung der schnell aufblühenden Colonia
Augusta Treverorum.2 Diese wurde aus Brunnen und einer kleinen Wasserleitung gedeckt, die schon im 1. Jh. n. Chr. bestanden haben muss.

Von größerer Bedeutung war aber die vom Ruwer-Tal herkommende Fernwasserleitung. Hier findet man sogar eine Art der Wassergewinnung vor, die wir ansonsten eher aus den südlichen Provinzen des Reiches kennen. In diesem Fall bezogen die Einwohner des römischen Trier ihr Wasser nämlich nicht aus einer Quelle, sondern man hat es aus nur schwer nachzuvollziehenden Gründen vorgezogen, das Wasser eines Seitenflusses der Mosel leicht aufzustauen und in einen Kanal abzuleiten, der es dann in die Stadt transportierte.3

Die Römer hatten ausgefeilte Techniken der Wasserversorgung entwickelt. Unsere Vorfahren knüpften kaum daran an.

Die häusliche Wasserversorgung war lange Zeit Privataufgabe, welche auf dem Land gut lösbar war.

In Burgen griff man auf Regenwassersammler und Sodbrunnen (gegrabener Brunnen) zurück. Es waren die Klöster und Städte, die die Wasserversorgung technisch
weiterentwickelten und etwa im 13. Jahrhundert die Wasserleitung „neu erfanden“. Im Alltag der meisten Menschen blieben die Ziehbrunnen mit Grundwasserzugang und die Zisternen lange Zeit vorherrschend.4 Die Wasserversorgung wurde im Spätmittelalter zunehmend zu einer kommunalen Aufgabe, vor allem in den Städten.

Offene Wasserquellen wurden durch Leitungen auf den Haupt – und Marktplätzen der Städte geführt, aus denen die Bevölkerung das Wasser geschöpft haben.

Wenige Gemeinden konnten sich teure Wasserleitungen aus Eisen, Blei, Ton oder Holz leisten. Durch die fehlende Maschinentechnik scheiterte im Flachland das Vorhaben einer künstlichen Erzeugung von Druck in den Rohren.5

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war der größte Teil der Landbevölkerung angewiesen auf Gewässer, Hausbrunnen oder Zisternen.

 Abb.1: Der Gosekanal

Abb.1: Der Gosekanal [+]

 

Über die im 10. Jahrhundert gegründete Kaiserstadt Goslar gibt es keine Überlieferung.

Der geologisch ungünstige Untergrund aus fast senkrecht stehenden Schichten,
überdeckt von fluvio-glazialen6 ließ keine Brunnen zu. Dies führte dazu, dass die Einwohner sich an Schöpfstellen aus der durch die Stadt laufenden Gose,, sowie einige Quellen und Bächen versorgten.

Durch die Abzweigung der Gose, hat man eine Trennung zwischen den der Trinkwasserversorgung dienenden Wasserläufen und der der Ableitung verschmutzen
Wassers dienenden Abzucht herbeigeführt.

 Mitte des 14.Jahrhunderts bestand in Goslar ein systematisches, umfassendes Versorgungssystem. Durch offene oder auch zum Teil abgedeckte Gerinne
(Gewässerbett) wurden die Bewohner mit Wasser versorgt. Die Gerinne befanden sich auf dem hinteren Teil der Grundstücke, wo das Wasser von Hof zu Hof floss.

Diese kleinen, meist gemauerten Gräben wurden Beeken genannt. Die Beeke erhielt ihr Wasser aus dem Gosekanal. Die Beeken führten nur periodisch Wasser, was durch Einlaufschütze am Gosekanal gesteuert wurde. 1440 wurde vom Rat bestimmt, die Beeken alle drei Wochen zu füllen.7

Abb.2: AutoCad Zeichnung

Abb.2: AutoCad Zeichnung [+]

 

Regional Beispiel

 Abb.3: Marktbrunnen in Mainz

Abb.3: Marktbrunnen in Mainz8 [+]

 

 Der Brunnen besteht aus einem runden Trog und einer dreiseitigen Bekrönung,9 die von drei Pfeilern getragen wird, an deren Außenseiten sich Reliefs befinden.

Das architektonische Erscheinungsbild des Brunnens, welches in technischer Hinsicht auf
dem gotischen Zweischenkelbrunnen basiert, wird daher nur als ein Teil der gesamten
Denkmalsidee verstanden. Die Form des dreisetigen Baldachins nimmt man als eine ikonologische Absicht an. Diese hat ihren Ursprung in der kleinteiligen Schreinarchitektur der Schatzkunst.

Mit der außergewöhnlichen Form und drei Bischöfen in der Bekrönung wird der Brunnen zu einem Denkmal.

 

 Literatur- und Quellenverzeichnis

Claus, Paul (Hg.) (2004): Rheingauer Brunnen. Zeugen aus 850 Jahren. Oestrich-Winkel (Hallgarten): Gesellschaft für Rheingauer Weinkultur (Beiträge zur Weinkultur, 2004).

Grewe, Klaus; Kosch, Clemens (Hg.) (1991): Die Wasserversorgung im Mittelalter. Frontinus-Gesellschaft. Mainz: Zabern (Geschichte der Wasserversorgung, 4).

Heege, Andreas (1998): Die Wasserversorgung der Stadt Einbeck im Mittelalter und der frühen Neuzeit. In: Von Brunnen und Zucken, Pipen und Wasserkünsten : die Entwicklung der Wasserversorgung in Niedersachsen. Neumünster: Wachholtz

Heinz, Stefan; Rothbrust, Barbara; Schmid, Wolfgang (2004): Die Grabdenkmäler der
Erzbischöfe von Trier, Köln und Mainz. Trier: Kliomedia.


Anmerkungen und Abbildungsverzeichnis


1 Koepf, Hans; Binding, Günther (1999): Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem und italienischem Fachglossar. 3. Aufl. Stuttgart: Kröner (Kröners Taschenausgabe, 194), S.198 + Krohn, Niklot (Hg.) (2009): Für Seelenheil und Bürgerwohl. 750 Jahre Stiftskirche und Spital Lahr (1259 - 2009). Alten- und Pflegeheim Spital. Lahr: Kaufmann, S.316

2 Peyer, Hans Conrad (1987): Von der Gastfreundschaft zum Gasthaus. Studien zur Gastlichkeit im Mittelalter. Hannover: Hahn (Schriften der Monumenta Germaniae Historica, 31), S.206

3 Ohler, Norbert (1988): Reisen im Mittelalter. 2., durchges. Aufl. München: Artemis-Verl. , S.129

4Peyer, Hans Conrad (1987): Von der Gastfreundschaft zum Gasthaus. Studien zur Gastlichkeit im Mittelalter. Hannover: Hahn (Schriften der Monumenta Germaniae Historica, 31), S.222

5 Peyer, Hans Conrad (1987): Von der Gastfreundschaft zum Gasthaus. Studien zur Gastlichkeit im Mittelalter. Hannover: Hahn (Schriften der Monumenta Germaniae Historica, 31), S.207-209

6 Peyer, Hans Conrad; Müller-Luckner, Elisabeth (Hg.) (1983): Gastfreundschaft, Taverne und Gasthaus im Mittelalter. Historisches Kolleg; Kolloquium "Gastfreundschaft, Taverne und
Gasthaus im Mittelalter". München: Oldenbourg (Schriften des historischen Kollegs Kolloquien, 3), S.258

7 Ohler, Norbert (1988): Reisen im Mittelalter. 2., durchges. Aufl. München: Artemis-Verlag, S.113

8 Muhlack, Monika (2014): Genuss mit Geschichte in Hessen. Einkehr in historischen Gasthöfen, Wirtshäusern und Weinstuben. neue Ausg. München: Volk Verlag, S.109-111

 

Abb. 1: Der Gosekanal im Stadtgebiet Goslar ( Zeichnung H.G. Griep, 1945)

Abb.2: AutoCad Zeichnung (Türkan Güler)

Abb.3: „Marktbrunnen (Mainz)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 23. Februar 2016, 22:05 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php? title=Marktbrunnen_(Mainz)&oldid=151844370 (Abgerufen: 19. Juni 2016, 12:28 UTC)

 

Zitiervorschlag:
Güler, Türkan
(2016): „Brunnen“, in: urbs-mediaevalis.de/Studienportal/Gebäudetypologie, URL: www.urbs-mediaevalis.de/pages/studienportal/gebaeudetypologie/funktionsbauten/brunnen.php

Autorengruppe: Studentinnen und Studentenletzte Aktualisierung dieser Seite: 30. November 2017
Autorin(nen) oder Autor(en)
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